Türkiye Cumhuriyeti

Düsseldorf Başkonsolosluğu

Konuşma Metinleri

Solingen katliamının 22. Yıldönümü münasebetiyle düzenlenen anma töreninde yapılan konuşma, 31.05.2015

Liebe Familie Genç,
Liebe Mevlüde Teyze und Durmuş Amca,
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Norbert Feith,
liebe Einwohner der Stadt Solingen,
verehrte Gaeste,
sehr geehrte Pressemitglieder,

wir sind hier aufgrund des Jahrestags eines sehr traurigen und für die Menschheit sehr beschaemenden Ereignisses, welches sich genau vor 22 Jahren in der Nacht des 29. Mai ereignet hat, zusammengekommen. Bei diesem traurigen Ereignis hat eine fremdenfeindliche und rassistische Gruppe das Haus der Familie Genç angezündet, was dazu geführt hat, dass Gürsün İnce, Hatice, Hülya und Saime Genç, sowie Gülistan Öztürk ihr Leben verloren haben. Bekir Genç, Güldane İnce und der damals 6 Monate alte Burhan Duran sind bei dem Vorfall verletzt worden.

Den Familienmitgliedern der Familie Genç, die bei diesem Ereignis ihr Leben verloren haben, wünsche ich Gottes Erbarmen und Mevlüde und Durmuş Genç sowie den wertvollen übrigen Familienmitgliedern spreche ich mein herzlichstes Beileid aus.

Es sollte jedermanns Anliegen und Verantwortung sein, dafür Sorge zu tragen, dass sich dieses schreckliche Ereignis in Solingen niemals wiederholt. Es muss den Menschen offen erklaert werden, dass Multikulturalismus ein Gewinn für jeden einzelnen Menschen und Gemeinschaften ist, welches den Horizont erweitert. Die Verfestigung dieses Verstaendnisses unter der Gesellschaft ist die Vorbedingung für den Kampf gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit.

Verehrte Teilnehmer,

Für das Zusammenleben ist es erforderlich, dass sowohl die Migranten als auch die übrigen Teile der Gesellschaft Verantwortung übernehmen. In erster Linie sollte es eine Übernahme von Verantwortung für die Gewaehrleistung von Chancengleichheit auf jedem Gebiet sein. Die Chancengleichheit sollte vor allem auf dem Gebiet der Bildung und Arbeitsanstellung existieren und darüber hinaus in allen Lebensbereichen gewaehrleistet werden und niemand sollte einer Diskriminierung ausgesetzt sein. Die Türken in Deutschland bereichern diese Gesellschaft mit ihrer Sprache, Religion und Kultur.

Die heute in Deutschland lebenden Türkischstaemmigen sind nicht mehr Gastarbeiter, sondern sie haben Deutschland zu ihrer zweiten Heimat ernannt. Die türkische Gesellschaft in Deutschland hat die Funktion einer stabilen und dauerhaften Brücke zwischen beiden Laendern. Dieser Zustand kommt gleichzeitig der türkisch-deutschen Freundschaft zugute.

Die Türken, die sich unter Wahrung ihrer ethnischen und kulturellen Identitaet in die deutsche Gesellschaft eingegliedert haben, sich an Regeln und Gesetze halten, die deutsche Sprache beherrschen und eine gute Bildung genossen haben, nehmen auch einen positiven Einfluss auf das politische, wirtschaftliche und soziale Leben in Deutschland.

In diesem Rahmen möchte ich auf die beunruhigenden antiislamistischen Bewegungen sowie die auf Moscheen verübten Anschlaege aufmerksam machen. Die Diskriminierung in religiöser, konfessioneller und ethnischer Hinsicht ist eine ernsthafte Gefahr für uns alle.Es ist sehr wichtig, ein kulturelles Umfeld zu schaffen, in dem jedermann seine Religion frei ausüben kann. In diesem Zusammenhang ist es von grosser Wichtigkeit, dass die Taeter der rassistischen Anschlaege, die sich der antiislamistischen Basis naehern, gefasst werden.

Aus den uns vorliegenden Daten geht hervor, dass 82 Prozent der Taeter, die in den Jahren 2000 bis 2014 Anschlaege auf islamische Gebetsstaetten verübt haben, immer noch nicht überführt sind. Im Gegenzug möchte ich der, von der zivilen Bevölkerung ausgehenden niveauvollen Solidaritaet gegen die rassistischen Demonstrationen meine Hochachtung aussprechen. In einigen Staedten ist die Durchführung der rassistischen Demonstrationen durch Bürgeraktionen verhindert worden oder es sind Gegendemonstrationen veranstaltlet worden.

Verehrte Damen und Herren,

Dieser Jahrestag ist gleichzeitig eine Zeichen der seit über 50 Jahren zusammenlebenden türkischen und deutschen Gesellschaft für ihre entgegenstehende Haltung gegen rassistische und fremdenfeindliche Bewegungen und ihr ernsthaftes Bemühen um die Verhinderung der Wiederholung eines solches Ereignisses.

Die Familie Genç, die Deutschland zu ihrer zweiten Heimat gemacht hatte, hat am 29. Mai 1993 ein unvergleichbares Leid durchgemacht und ihre engsten Verwandten bei einem menschenunwürdigen Angriff verloren. Mevlüde und Durmuş Genç haben ihr Leid in ihrem Herzen vergraben und haben nicht zugelassen, dass sich ihre Freundschaftsgefühle gegenüber dem deutschen Volk zu Hassgefühlen umwandeln. Ich wünsche, dass ihre Haltung, die aus der Toleranz und Feinfühligkeit des anatolischen Menschen stammt, zu einem Beispiel für die gesamte Menschheit wird.

Wir sind überzeugt davon, dass unsere deutschen Freunde ihren Kampf gegen den Rassismus und Fremdenfeindlichkeit entschieden fortführen werden, worin die Stadt Solingen und das Land Nordrhein-Westfalen eine Vorreiterrolle innehaben werden. Die heutige Veranstaltung und die nachtraegliche Verleihung des Silbernen Schuhs sind ebenfalls ein Symbol dieses Einfühlungsvermögens. Es ist ein wichtiges Ereignis, dass wir, Deutsche und Türken Hand in Hand sind, um an die vor 22 Jahren in Solingen verübte Barbarei zu erinnern und um daraus eine Lehre zu ziehen. Waehrend wir mit dieser Gedenkveranstaltung an die traurige Nacht erinnern, müssen wir die aus diesem Leid gezogenen Lehren an die Zukunft weitergeben können.

Meine Damen und Herren,
bezüglich der Parlamentswahlen, die in unserem Generalkonsulat noch weiter stattfinden, muss ich mich leider in kürze von Ihnen verabschieden. Ich bitte um Ihr Verständnis.

Und zum schluss, habe Gott Erbarmen mit den Opfern des Solingener Brandanschlags. Noch einmal mein herzliches Beileid an die Familie Genç und den Solingenern.