Türkiye Cumhuriyeti

Düsseldorf Başkonsolosluğu

Konuşma Metinleri

Rede vom Generalkonsul Alattin Temür in Solingen, 29.05.2014

Liebe Familie Genç,

Sevgili Mevlüde Teyze, Sevgili Durmuş Amca,

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister der Stadt Solingen 
Herr Feith,

Sehr geehrter Herr Gouverneur der Stadt Amasya 
Herr Çomaktekin,

Sehr geehrte einfühlsamen Bürgerinnen und Bürger von Solingen,

Werte Gäste,

Sehr geehrte Medienvertreter,

Saime Genç, die durch den Solinger-Brandanschlag ihr Leben verloren hat, war 4 Jahre alt, Hülya Genç 9 Jahre alt, Gülistan Öztürk 12 Jahre alt, Hatice Genç 18 Jahre alt und Gürsün İnce 27 Jahre alt. Sie sind Opfer einer Greueltat. Das Schlimmste für sie, was wir machen können, ist das Vergessen. In diesem Sinne möchte ich vor allem denjenigen, die an dieser Veranstaltung teilnehmen und somit ihre Sensibilität zeigen, um die, vor 21 Jahren in Solingen erlebte Tat nicht vergessen zu lassen, meinen Dank aussprechen. Außerdem möchte ich denjenigen, die ihr Leben durch diesen rechtsradikalen Anschlag verloren oder dadurch Schaden erlitten haben, mit Achtung gedenken.

Familie Genç, die, tausende von Kilometern entfernten Dorf Mercimek der Provinz Amasya mit großer Hoffnung nach Solingen gekommen ist und diese als ihre Heimat angenommen hat, hat durch diesen brutalen Anschlag das schlimmste Schicksal ihres Lebens erlitten. Der Vorfall, der das Leben der Familie Genç auf ewig verändert hat, hat im Herzen der ganzen Türkei und der in Deutschland lebenden türkischen Bevölkerung sehr tiefe, nicht zu heilende Wunden hinterlassen.

Die verantwortungsvolle und standhafte Haltung der Familie Genç, die sie trotz des nicht wiedergutzumachenden Leids seit 21 Jahren zeigen, ist für alle Schichten der Bevölkerung ein sehr schönes Vorbild. Die Familie Genç hat sich immer auf die Seite des Friedens, der Toleranz, der Liebe und Freundschaft gestellt und hat aus ihrem Erlebnis keine Feindschaft entwickelt. Es ist bewundernswert, wie sich die Familie mit Geduld und mit Besonnenheit ihr Leben in Deutschland fortgeführt hat und sich friedlich und nachsichtig verhalten hat.

Werte Teilnehmer,

Der Rassismus ist überall niederträchtig. Von wem er auch immer und an wen er auch immer ausgeübt wird, er ist von allen offen und sehr eindeutig zu ächten und mit härtesten Strafen zu bestrafen. 

Der Rassismus und die Fremdenfeindlichkeit sind Krankheiten. Man soll diesen Krankheiten keinen Nährboden bieten. Es soll diesen Krankheiten, die in Köpfen anfangen, keine Gelegenheit gegeben werde, sich  zu verbreiten. Die diesbezügliche Bewusstseinsbildung, insbesondere bei den Kindern sollte pausenlos fortgeführt werden. Die Bekämpfung des Hasses soll entscheidend und dauerhaft sein. Die Nachsichtigkeit und die Vernachlässigung dieser Taten können gefährlich sein. Der Rassismus darf nicht unterschätzt und bagatellisiert werden.

Diejenigen, die sich von Hassgefühlen leiten lassen, stehen dann als Jugendliche des Solinger Brandanschlags oder Serienmörder der NSU-Morden vor uns und stellen ein sehr negatives Bild dar. Die Anschläge von Solingen und Mölln sowie die NSU-Morde sind der Höhepunkt der Inakzeptanz von Anderen. Der Rassismus, die Fremdenfeindlichkeit, der Hass und die Gewalt sind Probleme, die die Entwicklung und das besonnene Denken der Gesellschaft hindern und Katastrophen herbeirufen.

Rassistische und rechtsradikale Gewalt, die aus der Vergangenheit bis zur heutigen Zeit andauert, soll nicht zu Lasten der gesamten übrigen Bevölkerung gehen. Die grosse Mehrheit der hier lebenden Menschen sind für das friedliche Zusammenleben. Dennoch ist es eine Tatsache, dass ein Teil mit dieser Gesinnung lebt. Diese wollen der Gesellschaft schaden- bzw.die Bevölkerung spalten.

Leider sind der Rassismus und die Fremdenfeindlichkeit, obwohl seit dem Solinger-Brandanschlag 21 Jahre vergangen sind, immer noch aktuell. In der letzten Zeit haben die Taten und Anschläge mit rassistischen und fremdenfeindlichen Motiven und aus der Islamofobie zugenommen. Die Täter verstecken sich manchmal hinter politischen Organisationen oder hinter einer Internetseite oder hinter zivilen Gesellschaftsorganisationen. Die Taten zeigen sich mal wie in Solingen als Brandstiftung, manchmal als Zeichnen von Hakenkreuz, mal durch Hinterlassen von enthaupteten Schweinsköpfen, mal als Drohbrief oder als Drohbotschaften.

Ähnlich hat das Dasein der NSU Organisation bei der türkischen Bevölkerung tiefe Wunden geschlagen. Es ist traurig und nachdenklich, dass die kaltblütigen Morde an 8 Personen mit türkischen Wurzeln als familiäre oder Mafioso Abrechnung deklariert wurden und somit der Rassismus außer Acht gelassen wurde. Das hat das Leid der Opfer vervielfacht und das Vertrauen an den Rechtsstaat geschwaecht. Es ist wichtig, dass alle Einzelheiten der NSU-Morde ans Tageslicht gebracht wird, so dass das verlorene Vertrauen wiederhergestellt wird.

Werte Teilnehmer,

Am 29. Mai 1993 wurden in Solingen die Toleranz und die gegenseitige Achtung als Zielscheibe genommen. In der heutigen Zeit ist diese schöne Stadt zum Symbol der Bekämpfung mit der Fremdenfeindlichkeit und dem Rassismus geworden. Es ist sicher, dass für unsere deutschen Freunde bei der Bekämpfung des Rassismus und der Fremdenfeindlichkeit, Solingen und Nordrhein-Westfalen weiterhin eine Vorreiterrolle spielen werden. Der Preis Silberne Schuh, der im Anschluss heute hier verliehen wird, ist ein Zeichen der Sensibilität. Dass wir uns, die Deutschen und Türken hier Hand in Hand versammelt haben, um an die in Solingen vor 21 Jahren geschlagene Wunden zu erinnern und daraus eine Lehre zu ziehen, ist ein wichtiges Ereignis. Wir sind uns dessen bewusst, dass wir auf der einen Seite an jene Nacht gedenken, auf der anderen Seite daraus unsere Lehre für die Zukunft ziehen müssen.

 Zum Abschluss meiner Rede möchte ich allen Teilnehmer die Grüße des Botschafters der Republik Türkei in Berlin Herrn Hüseyin Avni KARSLIOĞLU überbringen.

Aus diesem Anlass möchte ich der Opfer des Solinger-Brandanschlags mit Achtung gedenken und der Familie Genç und der Solinger-Bürger noch einmal mein herzliches Beileid aussprechen.