Türkiye Cumhuriyeti

Düsseldorf Başkonsolosluğu

Konuşma Metinleri

"TürkeiAlmanya, Migration und Interlulturalitaet im regionalen Kontext" başlıklı Konferans, 21.11.2012

Sehr geehrte Professorinnen und Professoren,
verehrte Gäste aus der Türkei,
meine sehr verehrten Damen und Herren,

es ist mir eine große Ehre als Generalkonsul der Türkischen Republik zur Eröffnung des heutigen Kolloquiums ‚TürkeiAlmanya‘ die Begrüßung übernehmen zu dürfen.

Liebe Gäste,

Trotz der räumlichen Distanz zwischen Deutschland und der Türkei sind die Beziehungen einzigartig. Die Türken haben die Deutschen im Laufe der Geschichte immer als ihre Freunde angesehen. Es wird sogar überliefert, daß in türkischen Großstädten eine Zeit lang die Zahl der Männer, die eine ähnliche Bartfrisur wie Kaiser Wilhelm hatten, die Zahl der Männer mit klassisch türkischem Bart übertraf.

Die auf geostrategische Zusammenarbeit basierende zwischenstaatliche Beziehung war der Grundstein der türkisch-deutschen Beziehung. Mit der Gründung der Türkischen Republik haben die Deutsch-Türkischen Beziehungen eine neue Dimension erhalten. Mustafa Kemal Atatürk hat der Wissenschaft und der westlichen Orientierung der Türkei großen Wert beigemessen und hat daher junge Menschen in erster Linie nach Deutschland und dem übrigen Europa geschickt. Diese wiederum haben zwischen beiden Ländern Brücken gebildet. Da das ebenfalls das Thema einer Ausstellung dieses Kolloquiums ist, werde ich es hier nicht vertiefen. Mustafa Kemal Atatürk hat das in der damaligen neu gegründeten Türkei, die in allen nur erdenklichen Bereichen eines Fortschrittes bedurfte, mit äußerst geringen Möglichkeiten geschafft. Der eigentliche Wissenstransfer hat während des zweiten Weltkrieges stattgefunden. Während die Türkei zahlreiche Professoren, die vor den Nazis geflohen waren, aufnahm und somit ihr Leben rettete, haben diese Menschen die Universitäten in der Türkei vorangebracht. Meine Professoren an der juristischen Fakultät der Universität in Istanbul waren auch Studenten dieser deutschstämmigen Professoren gewesen. Nach dem Krieg kam die Beziehung zwischen beiden Ländern für eine bestimmte Zeit zum Stillstand.
Bis zum Jahre 1961.
Mit der Zuwanderung der Menschen mit Holzkoffern, die als Gastarbeiter nach Deutschland gekommen waren, hat diese Beziehung eine völlig neue und freundliche Dimension erhalten. Die menschliche Komponente ist in den Vordergrund getreten. Türken und Deutsche, die sich im 1. Weltkrieg nur als Waffenbrüder kannten, waren nunmehr auf dem Arbeitsplatz Kollegen sowie Kumpeln und in ihren Wohngebieten Nachbarn. Mehmet lernte den Hans kennen und Monika die Ayse. Die heutige Beziehung der Türken und Deutsche ist nunmehr vergleichbar mit der Beziehung zwischen den Mitgliedern einer Familie.

Heute verfolgt die deutsche Öffentlichkeit das Geschehen in der Türkei und die Türkei jenes in Deutschland sehr aufmerksam und in den Medien werden jeden Tag Nachrichten über das jeweils andere Land veröffentlicht. Der wichtigste Faktor bei der Entstehung dieser Konstellation sind zweifellos die türkischen Landsleute, die zur Deckung des aus dem Wirtschaftswachstum Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg entstandenen Arbeitskräftemangels aus der Türkei gekommen sind und deren Zahl heute bei knapp drei Millionen liegt.

Wortwörtlich "ganz unten" fingen die türkischstämmigen Migranten einst in Deutschland an. Trotz vieler Schwierigkeiten schafften es jedoch viele "ganz nach oben".

Aus ihnen sind heute erfolgreiche Unternehmer und Selbständige, Akademiker, Politiker, Abgeordnete und Minister geworden.

Auch Literanten gibt es unter ihnen, die die Kunst beherrschen, mit der deutschen Sprache sogar besser umzugehen als ein Muttersprachler. Nicht zu vergessen die Sportler, die bei internationalen Wettkämpfen Deutschland erfolgreich vertreten.

Wenn ich sehe, wie Fatih Akın auf den Filmfestivals für Deutschland Auszeichnungen entgegennimmt; wenn ich zuschaue, wie Mesut Özil den Siegtreffer für die deutsche Nationalmannschaft schießt; und wenn ich den Erfolg türkeistämmiger Politiker miterlebe, dann bin ich stolz und verfolge diese Entwicklungen mit großer Freude. Zudem weiß ich genau, daß es noch viel mehr Erfolgsgeschichten gibt, die nicht so medienwirksam und präsent sind wie die genannten Beispiele.

Nach 50 Jahren sprechen wir bereits von der vierten Generation.

In diesen 50 Jahren haben wir uns besser kennengelernt. Die Menschen in der Türkei haben längst nicht mehr die Vorstellung, daß Deutsche nur Schnitzel und Sauerkraut essen. ‚Döner‘ ist mittlerweile eher als das Nationalgericht der Deutschen bekannt. Es ist auch an der Zeit, daß man auch in Deutschland die Vorstellung über die Türkei ändert. Die Türkei ist auch nicht mehr das Land, das in den 60er und 70er Jahren Arbeiter nach Deutschland geschickt hat. Es handelt sich um ein Land, welches den 16. Platz in der Weltwirtschaft einnimmt und jedes Jahr ein Rekordwachstum verzeichnet. Jedoch können wir auch nach 50 Jahren nicht sagen, daß wir die Vorurteile vollständig beseitigt haben. Wenn heute mir in Deutschland das Kompliment gemacht wird: ‚Oh, sie sind aber gar nicht wie ein Türke‘. Und im Anschluß daran erwartet wird, daß ich mich dafür bedanke, dann ist das nichts anderes, als das Herausschießen der vorhandenen Vorurteile. Es ist nicht mein Ziel, hier Schwarzmalerei zu betreiben, indem ich die gegenseitigen Vorurteile, die Integrationsdebatten, die grundlegenden Probleme der Türkischstämmigen in Deutschland anspreche.

Jedoch müssen wir sehen können, daß in den 50 Jahren nicht alles rosarot war. Da das Thema dieses Kolloquiums Migrations- und Interkulturalitätsforschung ist, denke ich, daß es nützlich sein wird, auch diese Punkte zu erwähnen.

Es gibt in der Diplomatie eine Regel: die zwischenstaatlichen Beziehungen können nur durch interkulturelle Beziehungen am Sockel gefördert werden. Da, wo die Diplomatie nicht hinreicht, müssen also die Menschen das Zepter übernehmen. In diesem Rahmen denke ich, daß diese Veranstaltung der Heinrich-Heine-Universität sehr nützlich sein wird und wünsche Ihnen viel Erfolg.