Türkiye Cumhuriyeti

Düsseldorf Başkonsolosluğu

Konuşma Metinleri

KRV Eyalet Parlamentosu'nda düzenlenen "Göçün 50. yılı" etkinliği, 08.11.2011

Sehr geehrter Landtagspräsident Herr Eckart Uhlenberg,


Sehr geehrte 1. Landtagspräsidentin und Vorsitzende der parlamentarischen Freundschaftsgruppe Frau Karina Gödecke,


Sehr geehrter Minister für Arbeit, Integration und Soziales Herr Guntram Schneider,


Verehrte Gäste, Pressemitglieder,


Meine Damen und Herren,


Auf die heutige Veranstaltung anlässlich des 50. Jubiläums des Anwerbeabkommens zwischen der Türkei und der Bundesrepublik Deutschland habe ich mich längst gefreut. Denn ich bin hier heute  nicht nur als der türkische Generalkonsul anwesend, welcher eines der beiden Abkommenspartner offiziell vertritt, sondern auch als ein Migrantenkind der zweiten Generation.


Deswegen fühle ich mich besonders geehrt, an einer solchen Veranstaltung teilzunehmen und möchte mich für die Übernahme der Schirmherrschaft über diese Veranstaltung bei dem nordrhein-westfälischen Landtag und der nordrhein-westfälischen Regierung bedanken. Ich möchte mich auch bei der DOMIT für ihre Ausstellung, die diesen bedeutungsvollen Tag mit einem Rückblick auf die Jahre noch mehr verschönert hat, bedanken.


Meine Damen und Herren,


Die Freundschaft zwischen der Türkei und Deutschland hat historische Wurzeln. Das ist nicht nur ein Klischee. Die Türken haben die Deutschen im Laufe der Geschichte immer als ihre Freunde angesehen. Es wird sogar überliefert, dass in der Türkei eine Zeit lang die Zahl der Männer die eine ähnliche Bartfrisur wie Kaiser Wilhelm hatten, die Zahl der Männer mit klassisch türkischem Bart übertraf.


Die auf geostrategische Zusammenarbeit basierende zwischenstaatliche Beziehung war der Grundstein der türkisch-deutschen Beziehung.


Bis zum Jahre 1961.


Mit der Zuwanderung der Menschen mit Holzkoffern, die als Gastarbeiter nach Deutschland gekommen waren, hat diese Beziehung eine völlig neue und  freundliche Dimension erhalten. Die menschliche Komponente ist in den Vordergrund getreten. Türken und Deutsche, die sich im 1. Weltkrieg nur als Waffenbrüder kannten, waren nunmehr auf dem Arbeitsplatz Kollegen und in ihren Wohngebieten Nachbarn. Mehmet lernte den Hans kennen und Monika die Ayse. Die heutige Beziehung der Türken und Deutsche ist nunmehr vergleichbar mit der Beziehung zwischen den Mitgliedern einer Familie.


Es gibt in der internationalen Diplomatie eine Regel. Die Beziehung zweier Staaten kann nur mit der Entwicklung der Beziehung zwischen den Völkern ein stabiles Fundament erhalten. Aus diesem Grunde ist dieses Abkommen, das vor einem halben Jahrhundert unterzeichnet wurde, sehr wichtig.


Heutzutage hat fast jeder in der Türkei einen Verwandten, der in Deutschland lebt. So ist die Türkei nach Deutschland gekommen und so hat Deutschland Geschmäcker kennengelernt, die es zuvor nicht kannte.


Sehr geehrter Herr Minister Schneider, sie sagten bei einer ihrer Reden im letzten Jahr, wenn es die Migranten nicht gäbe, würden die Deutschen immer noch die Gerichte der 60er Jahre essen.


Die kulturelle Vielfalt der Migranten hat in Deutschland dermaßen Anerkennung gefunden, dass der Döner in vielen Ländern der Welt als ein deutsches Gericht bekannt ist. Alle diese Sachen leisten einen Beitrag zur kulturellen Bereicherung und Vielfalt. Es waren die treuen türkischen Arbeiter, die in der Nachkriegszeit das Wirtschaftswunder in Deutschland verwirklicht haben, indem sie zusammen mit ihren deutschen Kollegen die Schrauben von Mercedes, Opel oder Volkswagen festgezogen haben und das "Made in Germany" geschaffen haben. Eben diese Arbeiter haben einerseits zur Weiterentwicklung Deutschlands beigetragen und andererseits mit den verdienten D-Marks die Entwicklung der Türkei unterstützt. Auch ich, als ein Migrantenkind, das seine gesamte Schulbildung mit den D-Marks seines Vaters finanziert hat, bin Deutschland zu großem Dank verpflichtet.


Während die Deutschen von ihren türkischen Kollegen die situationsbedingte Risikobereitschaft lernten, haben die Türken von den Deutschen die Arbeitsdisziplin und Pünktlichkeit gelernt. Kurz gesagt, diese Beziehung ist eine Beziehung, von der beide Seiten profitiert haben.


 


Deutschland hat den Türken und die Türken haben Deutschland vieles zu verdanken. Bei der Bewertung der 50 jährigen Migrationsgeschichte darf diese Tatsache nicht außer Acht gelassen werden. Beide Länder und die Völker dieser Länder sind durch die Migration in wirtschaftlicher, sozialer und kulturelle Weise bereichert worden und ihre Vision hat sich erweitert.


Die fruchtlosen und auch niveaulosen Integrationsdebatten, die mit der Ignoranz dieser Tatsache in einem Stil geführt werden, die die Migranten verletzen, bringen niemandem einen Nutzen. Die Menschen zu beleidigen und ihre Zugehörigkeit zu diesem Land in Frage zu stellen ist ein Zustand, den auch unsere hellhörigen deutschen Freunden nicht billigen. Wir können die Zukunft nicht nach der Herkunft aufbauen. Deutschland hat nur eine Zukunft und dessen Gründer sind Silvia, Hasan, Ivan und Eleni, die- egal welcher Herkunft- hier gemeinsam die Schulbank drücken. Alle sind Kinder Deutschlands.


Die Türken, die vor 50 Jahren als Gastarbeiter nach Deutschland gekommen sind, sind nunmehr Menschen dieses Landes. Deutschland ist für diese Menschen nicht mehr die Leidensheimat, sondern die Heimat, in der sie die Zukunft ihrer Kinder sehen.


Verehrte Gäste,


Meines Erachtens ist Deutschland nicht das Land, in der Türken und Moslems als eine Gefahr gesehen, in der Türken –vermehrt in letzter Zeit auch Moslems - als Verantwortliche für alle gesellschaftlichen Probleme betrachtet werden, wo Sprüche wie Türken raus laut werden und Brandstiftungen wie in Mölln und Solingen stattfinden.


Wir sind uns darüber einig… Deutschland ist ein Land der Menschen, welche Migranten herzlich aufnimmt, ihnen Arbeit und Brot gibt. Es ist ein Land, dessen Kardinal, den Türken, die im Jahre 1963 auf der Suche nach einer Gebetsstätte waren, den Kölner Dom  zur Verfügung gestellt hat. Es ist ein Land, dessen Mitbürger bei der Brandstiftung in Solingen auf die Strassen  gegangen sind und ihre Anteilnahme mit „Wir sind auch Ausländer“ kundgetan hat.


Unser historischer Freund, unser verbündetes Land, dem wir unsere Menschen anvertraut haben, ist eben dieses Deutschland.


Das 50 jährige Jubiläum möge uns allen nur Gutes bescheren.