"Die Bedeutung der Türkei für NRW" başlıklı etkinlik

Fırat Sunel 09.12.2011

DIE BEDEUTUNG DER TÜRKEI FÜR NORDRHEIN-WESTFALLEN UND PERSPEKTIVEN FÜR DIE BILATERALEN BEZIEHUNGEN


 


Sehr geehrte Frau Ministerin Dr. Angelica Schwall-Düren,


Sehr geehrte Frau Prof. Dr. Rita Süssmuth


und sehr verehrte Damen und Herren,



Zuerst möchte ich mich beim Ministerium für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien des Landes Nordrhein-Westfallens für die heutige Veranstaltung herzlich bedanken. Da wir dieses Jahr auch das 50. Jubiläum des Anwerbeabkommens zwischen unseren Staaten feiern, hat die heutige Veranstaltung grosse Bedeutung. 


In der einzigartigen Beziehung zwischen Deutschland und der Türkei nimmt die tiefe und weitreichende Beziehung mit dem Land Nordrhein-Westfalen zweifelsfrei eine ranghohe Stellung ein. Unsere Zusammenarbeitist sehr vielschichtig. Zum einen geht dies auf die hohe Zahl nordrhein-westfälischer Bürgerinnen und Bürger mit türkischen Wurzeln zurück: Von den rund 18 Millionen Einwohnern in diesem Bundesland haben etwa 5 Prozent türkische Wurzeln. Das sind knapp  eine Million Menschen, die die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung der NRW in den letzten Jahrzehnten nachhaltig bereichert haben. Nordrhein-Westfalen ist damit das Zentrum aktiver deutsch-türkischer Freundschaft.



25 % der Handelsbeziehungen mit Deutschland laufen über Nordrhein-Westfalen. Von den insgesamt etwa 80.000 türkischen Unternehmen in Deutschland, sind ca. 26.000 in NRW tätig, bei einem deutschlandweiten Umsatz von 40 Milliarden Euro fliessen ca. 13 Milliarden Euro in die Wirtschaft von NRW. Die Türkei hat in NRW über 300 grosse Firmen als Direktinvestoren. Die türkischen Unternehmen schaffen in NRW für  120.000 Menschen Arbeitsplätze.  


Im Übrigen ist die „NRW Invest“, mit einer Repräsentanz am Bosporus sowie die Türkisch-Deutsche Industrie- und Handelskammer in Köln, dessen Präsidenten Herrn Dr. Reinhardt Freiherr von Leoprechting ich jetzt herzlich begrüsse,  sind die hervorragenden  Beispiele für die enge wirtschaftliche Zusammenarbeit.



Unsere lebendige Zusammenarbeit beruht aber bei weitem nicht auf der wirtschaftlichen Komponente allein:  Es bestehen über 60 Hochschulkooperationen zwischen der Türkei und NRW. Hinzu kommen mehr als 40 Schul- und 15 Städtepartnerschaften. 


Auch unsere politischen Beziehungen mit NRW sind im Vergleich zu anderen Bundesländern viel weitreichender. Innerhalb eines Jahres waren vorrangig unser Aussenminister und viele andere Minister, unser Parlamentspräsident, der stellvertretende Ministerpräsident und der stellvertretende Parlamentspräsident zu einem offiziellen Besuch in NRW gewesen.



Dem Besuch des Landtagspräsidiums unter der Führung des Landtagspräsidenten Herrn Uhlenberg im März und dem Besuch des Ministers für Arbeit, Integration und Soziales Herrn Guntram Schneider im Oktober diesen Jahres in unser Land kommt in diesem Rahmen eine grosse Bedeutung hinzu.   


Vor einigen Tagen hat unser Aussenminister Herr Prof. Dr. Ahmet Davutoğlu mit der NRW-Ministerpräsidentin Frau Hannelore Kraft in der Landesvertretung in Berlin, wo auch die Frau Ministerin Schwall-Düren anwesend war, ein wichtiges Treffen verwirklicht. Das einzige Parlament, das eine Deutsch-Türkische Freundschaftsgruppe hat, ist der NRW-Landtag. Diese Gruppe hat die meisten Mitglieder und wird im kommenden Jahr die Türkei besuchen. 


Ebenso wie die wirtschaftlich-politische spielt auch die kulturelle Komponente in unseren Beziehungen eine wichtige Rolle. Insbesondere die Kulturhauptstädte  im letzten Jahr und der 50. Jahrestag der Migration in diesem Jahr  waren Anlass zu unzähligen kulturellen Veranstaltungen im hiesigen Land. Nahezu jeden Tag findet in einer Stadt von NRW ein türkeibezogenes Konzert, Ausstellung oder eine sonstige kulturelle Veranstaltung statt.


Ich möchte nicht von der Zeit meiner Nachredner stehlen. Ich habe versucht, Ihnen die Bedeutung der Türkei für NRW, welches ein Teil-Thema der heutigen Veranstaltung ist, in groben Zügen zu veranschaulichen. All das habe ich erzählt, um deutlich zu machen, auf welch einer stabilen Grundlage unsere Beziehungen basieren.


Das zweite Teil-Thema der heutigen Veranstaltung ‘Perspektive für die bilateralen Beziehungen’ wird ohnehin in der nachfolgenden Podiumsdiskussion behandelt.



Mit einem Satz kann ich noch folgendes sagen: Da die Grundlage unserer Beziehungen so stabil ist, ist sie imstande jeden Bau, der auf ihr errichtet wird, zu tragen. Ich bin daher über die Zukunft unserer multidimensionellen Zweierbeziehung sehr optimistisch.


Auf beiden Seiten besteht das Potential die Beziehungen voranzubringen und die Tendenz ist auch dahingehend. 


Deshalb wird die Aufhebung von Regelungen bzw. Anwendungen, die nicht in das Klima dieser Beziehung passen, beiden Ländern einen Vorteil bringen. 


Im letzten Jahr konnte ein berühmter türkischer Künstler an seiner eigenen Ausstellungseröffnung in Krefeld nicht teilnehmen, weil sein Visumsantrag abgelehnt worden war.



Viele gross formatige Geschäftsmänner kommen aus Protest gegen die Visumspflicht und wegen den Aufforderungen am Flughafen, ihr Bargeld und ihre Kreditkarte vorzuzeigen, nicht mehr nach Deutschland. Die Aufhebung dieser Regelungen, die die Menschenwürde verletzen, wird auch Deutschland zugutekommen. 


Die heutige Türkei ist nicht mehr das arme Land, das in den 60’er und 70’er Jahren von der Landwirtschaft gelebt hat. Mit ihrem wirtschaftlichen und industriellen Wachstum erreicht sie Weltrekorde. Ein solches Land, welches nahezu alle Maastricht-Kriterien besser erfüllt als alle anderen EU-Länder, mit künstlich aufgestellten Hürden ausserhalb der Europäischen Union zu halten, ist insbesondere für die Interessen der EU nicht von Vorteil.



Ich begrüsse Sie alle noch einmal ganz herzlich.


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